Psychiatrie: Tag 3

Ein freundliches, sehr lautes „GUTEN MORGEN!“ weckte mich. Dann das morgendliche Ritual: Duschen, Zähne putzen, Gesicht waschen, Kaffee und den Frühsport, die Treppe runter zur Raucherinsel. Dann frühstücken.

Endlich habe ich meine erste Therapie. Es ist eine einfache Ergotherapie und dauert 50 Minuten. Eigentlich sollte man Bastelzirkel dazu sagen, denn hier werden Bilder gemalt, Körbe geflochten und mit Ton gearbeitet. Am ersten Tag habe ich mich noch nicht entschieden, was ich machen will. Ich glaube aber, dass ich irgendwas mit Ton machen will. Die Therapeutin gab mir in der Zwischenzeit ein Mathe-Dreieck-Puzzle, was ich innerhalb von fünf Minuten gelöst habe. Die restlichen 45 Minuten starrte ich die Therapeutin an.

Nach der Ergo kam gleich die Visite und wir haben uns über den Therapieplan unterhalten. Ich werde hauptsächlich in Bewegungs- und Entspannungstherapien gehen. Die Ärzte machten mir noch mal deutlich, dass ich nicht hier bin, um irgendwelche komplexen Aufgaben zu lösen (ich beschwerte mich über die Langeweile). Ich bin hier um abzuschalten und runterzufahren. Nun gut. Also las ich erst mal bis zum Mittag (und machte dabei ein Nickerchen).

Heute gab es widerliche Nudeln. Ich habe noch nie in meinem Leben so widerliche Nudeln gegessen. Grausam. Ich war kurz davor, eine Zwiebel zu schneiden, um damit die Nudeln in einer Pfanne zu braten. Die Faulheit siegte aber. Also aß ich nur den Joghurt und den Möhrensalat.

Tja, mein Tagesablauf wird sich wohl mit dem heutigen Tage wiederholen werden. Ich ging auf die Couch, las und nickte dabei ein. Um 13:30 ging ich dann zur Musiktherapie. Ich war zwar nicht eingetragen, aber irgendwas wollte ich tun. Wir sollten eine Ocean Drum „spielen“. Nach der Sitzung hielt ich die Therapeutin von ihrer Schreibarbeit ab und wir haben uns über Musik unterhalten. Sie stellte fest, dass die Musiktherapie nichts für mich ist. Dafür gab sie eine Anordnung an die Schwestern, mir eine Gitarre zu organisieren *krchkrch*

Lesen. Musizieren. Nickerchen machen. Wahrscheinlich sind das die drei Dinge, die ich die nächsten Tage und Wochen hier machen werde. Meine Stimmung ist so lala. Ich vermisse eine Umarmung und den Satz „Alles wird gut.“

Endlich öffnete die Bibliothek. Ich ging hin und nahm prompt fünf Filme mit. Hoffentlich werden die das Wochenende ausreichen. Wenn nicht, ich habe noch zwei Bücher. Eine halbe Stunde Internet war auch drin. Für mehr als ein kurzes „Hallo Welt, ich lebe noch“ hat es aber nicht gereicht.

Als ich raus ging, hörte ich ein wunderbares Klavierspiel. Ich lerne R. kennen. Er sitzt an einem Flügel aus dem 19. Jhd. und spielt Stücke von Mozart, Thiersen und andere. Wundervoll. R. hat auch Depressionen. Wir verabreden uns für Montag, dann kann ich ihm wieder zuhören.

Morgen kommt endlich meine Frau.

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Ein Kommentar zu “Psychiatrie: Tag 3

  1. Hallo Llama,

    Ich schon wieder. Wenn ich sehe was du über dir Ergo schreibst blutet mir ja als Ergotherapeut das Herz. Ich mag meinen Beruf, auch wenn ich nicht darin arbeite zur Zeit. Aber Ergo kann so toll sein und so viel bringen. Wenn man weiß warum man sie macht.

    Mir ist bewußt, blöde Sprüche sind eben das: blöd. Aber halt den Kopf oben und danke für die Berichte.

    lg
    schreibrephorm

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