Von Zigeunersoßen und weißen Ferrero Küsschen (oder auch: Das Problem heisst Rassismus)

Liebe Deutsche, wir haben ein Problem. Das Problem heisst Rassismus. Im folgenden Fall: Alltagsrassismus. Wir müssen uns endlich bewusst werden, dass er existiert, ihn benennen und aus unseren eigenen Köpfen bekommen. Jeder von uns dachte mit Sicherheit schon mal (mich nicht ausgenommen) „Huch, ein Schwarzer. Ich muss jetzt besonders freundlich sein.“ Das ist Rassismus. Das ist scheiße und wir Weißen müssen dran arbeiten, eben genau das nicht mehr zu denken.

Fangen wir doch bei der Sensibilisierung für die kleinen Dinge im Leben an: Zigeunersoße. Die ist lecker, einfach zu machen und niemand kann einen Schichtgulasch ohne sie machen. Aber das Wort „Zigeuner“ ist rassistisch. Warum? Eigentlich ganz einfach: Zigeuner ist eine Fremdbezeichnung für Bevölkerungsgruppen, denen in Stereotypen ausgeprägte, jeweils auffällige, von der Mehrheitsbevölkerung abweichende Eigenschaften zugeordnet werden.

Das heisst: Wir haben entschieden, wie wir diese Bevölkerungsgruppe nennen. Nicht sie. Wir. Viele von uns denken, dass das Wort „Zigeuner“ ja gar nicht so schlimm ist. Doch ist es. Auf der gleichen Ebene spielt das Wort „Neger“ oder das noch krassere Wort „Nigger“. Aus diesem einfachen Grund ist die Bezeichnung „Zigeuner“ rassistisch und somit auch „Zigeunersoße“. Wieso nennen wir die Soße nicht einfach nach dem, was es ist? Paprikasoße. Bähm, jeder weiß, was drin ist und wie es in etwa schmeckt. Kriegen wir das hin?

Dann gibt es da noch die Kampagne von Ferrero: „Deutschland wählt weiss“. In dem Buch „Deutschland Schwarz Weiß“ von Noah Sow steht sinngemäß, dass gerade Multiplikatoren, wie Politiker_Innen, Persönlichkeiten und Werbetreibende penibel darauf achten sollten, was sie sagen. Der Spruch „Deutschland wählt weiss“, skandiert von einer mehrheitlich weißen Menschenmasse lässt bei mir eine Assoziationskette von der Leine, bei der ich unweigerlich zum Schluss komme: Das ist nicht nur unsensibel, sondern rassistisch.

Bald sind Wahlen. Die „deutsche Bevölkerung“ (warum ich das in “ schreibe, muss ich mal in einem anderen Post erklären) darf am 22. September wählen. Auf diesen Zug spring natürlich die Ferrero-Kamapnge auf. Das mag ja okay sein, machen ja viele. Aber: „Deutschland wählt weiss“ mit der Assoziation zur Bundestagswahl, das geht in meinen Augen einfach nicht. Niemals. Das ganze macht es mit der Nicht-Entschuldigung sogar noch schlimmer.

Einfacher und weniger problematisch wäre gewesen (sanfte Stimme): „Deutschland hat gewählt: Ferrero Küsschen mit weißer Schokolade gibt es jetzt für immer“ oder so. Das ist zwar ein weniger plakativ, aber lässt keine negativen Assoziationen zu.

Mir ist das Thema wichtig, weil es mir der Rassismus in Berlin Marzahn-Hellersdorf extrem Nahe geht. Der geschürte Alltagsrassismus durch die AfD („Der Grieche ist selbst schuld“) kotzt mich an. Genau so hat es in den 20ern angefangen. Wir suchen uns ein Feindbild, das wird dann mit Plattitüden bedient und unterschwelliger Rassismus schürt so lange den Hass, bis er irgendwann ausbricht.

Lasst uns daran arbeiten und damit beginnen, dass wir anfangen Paprikasoße zu sagen, ok?

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2 Kommentare zu “Von Zigeunersoßen und weißen Ferrero Küsschen (oder auch: Das Problem heisst Rassismus)

  1. Alltagsrassismus vermeiden finde ich gut. Praktisches Problem Deines Vorschlags, Paprikasoße gibt es schon und bezeichnet eine selbständige Soße, die zwar Paprikamark und viel Gewürzpaprika enthält jedoch keine Paprikastücke. Darüber hinaus wird wahlweise mit Sahne oder saurer Sahne vollendet.
    Schwierig, schwierig. Einige politisch und inhaltlich korrekte Varianten könnten sein: Spanischer-Pfeffer-Soße; Paprikasoße, p.c oder Südamerikasoße

    Vielleicht sollten wir diese rassistisch bezeichnete Soße einfach positiv aufladen und sie Sonnensoße nennen.

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