Psychiatrie: Tag 390

Mehr als ein Jahr ist es her, dass ich aus der Psychiatrie raus bin. Meinem (bisher und hoffentlich) letzten Nervenzusammenbruch mit Burn-Out habe ich eigentlich ganz gut verarbeitet – vor allem dank der unglaublichen Stärke meiner Frau.

Ich konnte das alles schaffen, weil ich sogar meine eigenen Vorsätze noch krasser eingeschränkt habe. Für mich gab und gibt es der Einfachheit halber nur noch zwei Kategorien: Es nervt mich und es nervt mich nicht. Wenn mich Dinge nicht nerven, freue ich mich darüber und genieße sie jeden Moment. Wenn mich etwas nervt, dann wird das alles zwar ein bisschen komplizierter, aber auch lösbar.

Ich stelle mir dabei mehrere Fragen:

  • Wieso nervt es mich?
  • Muss das jetzt unbedingt sein?
  • Kann ich die Sache auch einfach sein lassen?
  • Wenn ich damit leben muss, was kann ich tun, damit es besser wird?
  • Brauche ich dafür Hilfe oder kann ich das allein lösen?

Zum Glück habe ich eine großartige Frau, Familie und Firma, die mir bei allem hilft, wo es nur geht. Viele haben leider nicht das Glück und ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass ich da so privilegiert bin. Manchmal macht das auch ein schlechtes Gewissen, weil andere nicht so ein Glück haben, aber ich weiß nicht, was ich tun kann.

Nun, ich habe seit der Schocktherapie der Psychiatrie so gut wie keine klassisch depressiven Phasen mehr – sprich die „dunklen Gedanken“ halten sich mehr als in Grenzen. Anflüge der Melancholie kann ich mittlerweile sehr gut steuern. Auch haben meine Frau und ich sehr viele Dinge geändert, sodass wir uns einfach nicht mehr stressen (lassen).

Psychiatrie: Tag 390. Der Titel des Posts bedeutet für mich, dass man psychische Krankheiten und Anfälligkeiten dafür nie ganz überwinden kann. Seit einigen Wochen leide ich unter mehr oder weniger ausgeprägten Panikattacken. Grund dafür war ein Muskelriss zwischen Rippe und Brustbein im Bereich des Herzens, aber nicht am Herzen direkt, sondern der Muskel direkt unter der Haut – nur eben da in dem Bereich, wo das Herz positioniert ist.

Die Schmerzen davon haben sich zu einer Psychose entwickelt. Das wusste ich aber nicht und eines Tages am Anfang des Jahres hatte ich krasse Schmerzen in der Brust gespürt. Da dachte ich sofort, es wäre ein Herzinfarkt. Das ging soweit, dass ich hyperventilierte und den typischen Teufelskreis einer Panikattacke durchlebte – die erste. Natürlich gab es aber erst mal das volle Programm mit Notarzt, EKG und Untersuchungen. Meine Befunde sind negativ – sprich ich habe ein gesundes Herz, gesunde Herzkranzgefäße, meine Lunge ist in Ordnung und allgemein ist meine Gesundheit im guten Zustand.

Meine (Allgemein-)Ärztin sagte mir dann, dass es dann nur eine psychische Ursache haben kann. Seitdem habe ich immer mal wieder Panikattacken. Mal sind sie leichter und gehen schnell vorbei, mal sind sie krasser und dauern mehrere Stunden. Was ich aber seitdem immer habe, ist ein komisches Gefühl in der Brust, wie ein leichter Druck, der mich immer daran erinnert, dass ja doch irgendwas sein könnte (aktuell habe ich Angst vor einer Herzinsuffizienz, weil mangels Sport meine Kondition so schlecht ist, dass selbst ein kurzer Sprint zur Bahn anstrengend sein kann).

Mein Hauptproblem ist, dass mich das ganze tierisch nervt. Der Kontrollverlust über meinen Kopf und meinen Körper macht mich fertig. Wenn die Panik kommt, dann rasen meine Gedanken hin und her. Es ist für mich dann sehr schwer zu entspannen. Zum Glück habe ich mittlerweile ein paar Wege und Mittel gefunden, wie ich das ganze wenigstens ein bisschen unter Kontrolle bringen kann. Zum Beispiel höre ich sehr ruhige Musik, spiele ab und an ein bisschen Minecraft (meditatives Stripmining ftw!) oder mache diverse Übungen, die ich aus Selbsthilfe-Foren habe. Dazu zählen so akute Atemübungen, Realitätschecks, Entspannungsübungen und so weiter – und immer wieder der Spruch „Du bist gesund. Du hast nichts. Deine Empfindungen sind nur die Ursache des erhöhten Stress“.

Mal sehen, wie es weiter geht. Nach dem Umzug nach Düsseldorf wird das alles hoffentlich ein bisschen ruhiger.

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