Psychiatrie: Tag 1110

Es ist viel zu lange her, dass ich über meine Depressionen und Panikattacken geschrieben habe. Vor allem, weil es mir im Moment sehr schlecht geht und ich es mir schuldig bin mich endlich wieder mit den Krankheiten zu befassen. Aber vielleicht wäre ein Update seit dem letzten Mal sinnvoll. Immerhin ist das schon mehr als ein Jahr her, dass ich dazu etwas ausführlich geschildert habe. Ich weiß, dass ich das nicht tun muss, aber ich will es. Vielleicht hilft es anderen – vielleicht sogar mir.

Nun, ich hatte meine erste Therapie hauptsächlich wegen den Panikattacken angefangen. Die Hypochondrie in Verbindung mit körperlichen Triggern und Overthinking hat mich regelmäßig zu Panikattacken getrieben. Das ging irgendwann soweit, dass ich nicht mehr wirklich raus gehen wollte, weil ich Angst vor der Angst hatte. Ich mied Menschenmassen, Menschen überhaupt und verkroch mich immer mehr. Dazu kamen dann leichte bis mittlere depressive Episoden – ausgelöst durch die Paniken.

In meiner Therapie habe ich das kognitive Verhaltenstraining kennengelernt und ich muss sagen, dass durch dieses Training die Angstattacken fast vollständig weg gegangen sind. Klar, es gibt immer noch kurze Trigger, die das Adrenalin los kicken, aber sobald ich das Gelernte einsetze, ist alles wieder okay. Und das innerhalb von ein paar Minuten. Genau das hat mich dann auch durch die Depression gebracht und konnte sagen, dass ich ein paar echt gute Monate hatte.

Kognitives Training ist eigentlich einfach erklärt: Realitätscheck. Nehmen wir an, du hast den Trigger „Stechen in der Brust“. Der erste Gedanke, den ich da normalerweise hatte war natürlich der Herzinfarkt. Durch eine ärztliche Untersuchung wurde aber festgestellt, dass mein Herz und meine Lungen vollkommen gesund sind. Das kleine Stechen sind die Muskeln am Brustpanzer. In jedem Fall habe ich nach so einem Trigger Overthinking betrieben, das heisst, ich habe mir vorgestellt, wie der Schmerz in den linken Arm wandert, ich kurzatmig werde und alle Symptome von einem Herzinfarkt „habe“. Das krasse ist: Allein durch Einbildung können Symptome wirklich auftreten. Dann kam die Hyperventilation und der Krankenwagen. Tja. So habe ich einige Abende verbracht.

Ganz am Anfang hat mir noch das Medikament Promethazin geholfen, um mich ein bisschen runter zu bringen. Das kognitive Training hat mir aber langfristig geholfen. Bei jedem körperlichen Trigger gehe ich nun meine Checklisten durch (mittlerweile auch nicht mehr wirklich, weil die Trigger echt harmlos geworden sind. Haha! Nimm das Angst!). Die Checklisten waren im Grunde ganz einfache rationale Aufschlüsselungen, warum ich gerade keinen Herzinfarkt oder keine Lungenembolie habe. Diese Liste habe ich aber zusammen mit meiner Therapeutin erstellt, damit die genau auf mich geeicht ist.

Nun, die Paniken gingen, die kleine Depression auch und ich konnte mich wieder mehr mit mir, der Welt und vor allem meiner Frau beschäftigen. Ich habe seit dem neue Hobbies entdeckt und alte Hobbies wieder gefunden. Im Moment mache ich ein paar Experimente mit Youtube, spiele wieder viel Musik und schreibe sogar wieder. Das hilft mir alles, hat mich aber auch davon abgelenkt, dass ich meine Gefühlswelt nicht wirklich im Blick hatte. So kam nach und nach eine richtig heftige Depression. So stark, wie ich sie seit Jahren nicht mehr hatte und nicht mehr selbst hinaus komme.

Ich bin mir noch nicht sicher, in wie weit ich Details über meine konkreten Gedanken verraten möchte. Vielleicht nur so viel zu Anfang: Ich habe massive Minderwertigkeitskomplexe mit einem ausgeprägten Helfersyndrom. Diese Minderwertigkeitskomplexe gehen so weit, dass ich so gut wie gar nichts mehr gebacken bekomme und mir sogar einrede, dass die Welt und die Menschen ohne mich besser dran wäre. Dass das Blödsinn ist, ist mir auch klar. Diese Gedanken sind trotzdem da. Um dieses Minderwertigkeitsgefühl los zu werden, kompensiere ich das mit aller Macht mit dem Helfersyndrom, ohne dabei auf meine eigene Gefühlswelt zu achten. Außerdem passieren gerade sehr sehr viele Dinge gleichzeitig, die meine Psyche mitnehmen. Es sind zwar auch sehr viele positive Dinge dabei, dennoch belasten einige Sachen meinen Kopf und benötigen meine ganze Kraft.

Tja, seit Dezember habe ich nun wieder schleichend eine Depression bekommen. Seit ca. drei Wochen sogar sehr heftig mit mehrstündigen Heulkrämpfen und allem drum und dran. Blöderweise hatte ich seit Juli letzten Jahres auch keine Therapiestunde mehr. Also muss ich jetzt wieder alles neu beantragen. Meine Therapeutin hat mir aber dabei geholfen, damit ich auch direkt bei ihr bleiben kann. Die Ärztin zu Wechseln wäre für mich nicht zumutbar. Außerdem haben wir in der ersten Sitzung das Wichtigste besprochen – vor allem den Plan, was wir in Zukunft machen werden. Das hilft.

Ich glaube die Details werde ich dann versuchen nach und nach zu erzählen. Für den Anfang muss das hier reichen …

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