Psychiatrie: Tag 1114

Nach meiner gestrigen Therapie habe ich die Hausaufgabe von meiner Therapeutin bekommen, dass ich versuchen soll meine Probleme zu kategorisieren um so einen gewissen Grad an Ordnung in mein Leben zu bekommen. Auch wenn mir jetzt diese Probleme sehr mächtig vorkommen, soll ich mir aus jedem Problem ein paar Kleinigkeiten suchen und diese weiter analysieren – sozusagen einen Realitätscheck ausführen, wie ich es bei den Paniken gemacht habe. Mein Hauptproblem ist ein massiver Minderwertigkeitskomplex. Das ist mir jetzt schon klar.

Arbeit

Wie im letzten Post angesprochen macht mich meine Arbeit zu schaffen. Also machte. Aber irgendwie noch immer. Angefangen hat das im Dezember 2015, glaube ich. In dem Monat habe ich mich entschlossen einen neuen Job zu suchen. Dafür gab es viele verschiedene Gründe, die ich hier jetzt nicht ausführen möchte.

Also erstellte ich eine Bewerbung, als Website, weil mir nichts anderes eingefallen ist. Ich schrieb über mich und meine Referenzen, packt noch ein paar andere Sachen bei, wie zum Beispiel meine Musik oder meinen Youtube-Kanal, und schickte die Bewerbung an einige Firmen ab.

Wenn ich etwas kann, dann ist es Webentwicklung. Das mache ich seit vielleicht 20 Jahren (ja, mit 10 hatte ich meine erste HTML-Seite erstellt). Entsprechend habe ich mich natürlich auch verkauft. Was kam waren Absagen – eine nach der anderen. Das zerrte an meinem Ego und kratzt mich immer noch.

Letztendlich musste ich wohl also erstmal bei der Firma bleiben, wo ich bisher auch angestellt war. Damit sich aber irgendwas an meiner Situation ändert, musste ich handeln, also redete ich mit meiner Vertrauensperson bei der Firma. Zufälligerweise hat sich genau in dem Moment ergeben, dass wir einen Teil der Firma ausgründen und ich mit meiner Vertrauensperson einen Neuanfang machen kann.

Das ist gut. Das bringt mir Motivation, aber auch unheimlich viele neue Verantwortlichkeiten und neuen Druck. Immerhin muss ich vorerst allein ein Shopsystem am Laufen halten. Dazu kommt auch noch die ganze IT. Ich bin gespannt, aber auch gestresst.

Soziales

Also sagen wir so: Ich habe keine Ahnung, wie das Ding mit der Freundschaft funktioniert. Ich hatte zwar früher welche, aber seit mehreren Jahren ist da überall eher Funktstille. Das ist zwar schade, aber ich hab auch nicht die Kraft den Leuten immer hinterher zu rennen. Klar, das isoliert und es gibt nur wenige Herzmenschen in meinem Leben, denen ich voll und ganz Vertraue. Fernab vom engeren Kreis meiner Familie (Ja, Prinzessin, du gehörst dazu :P) sind das genau zwei Personen.

Eine dieser beiden Personen habe ich erst vor kurzem kennen gelernt. Und ich mag diese Person in dieser kurzen Zeit schon sehr gern. Ich habe aber überhaupt keine Ahnung, was ich tun soll. Also, wie agiere ich, wann schreibe ich, wann nerve ich, wann bin ich überflüssig, wann wird von mir zu viel erwartet, wann dränge ich mich zu sehr auf. Ich weiß es nicht.

Dazu kommt, dass ich Angst habe, dass ich meine Ehe durch diese Freundschaft vernachlässige. Und ich weiß auch schon, warum ich davor Angst habe: Ich möchte nicht, dass aus den platonischen Gefühlen für diese Person romantische werden. Das Problem ist, dass ich die aktuell empfindende in eine gewisse Euphorie für diese sich anbahnende (oder schon feste?) Freundschaft. Und diese Euphorie fühlt sich wie Verknalltheit an (ich hab keine Ahnung, wie ich das beschreiben soll). Ich weiß, dass ich nicht verknallt bin, aber diese Gefühle machen mich irgendwie fertig, weil ich die überhaupt nicht kategorisieren kann (das klingt selbst für mich verwirrend; und irgendwie hört sich das alles dramatischer an, als es eigentlich ist).

Selbstidentifikation

Ich habe ja schonmal das mit den „Frauenkleidern“ beschrieben. Also das hat sich auch irgendwie gefestigt. Aber ich bin mir immer noch maximal unsicher bei der ganzen Sache. Ich weiß, dass ich bei allem die Unterstützung meiner Frau habe, aber so richtig ist es mir selbst nicht klar, ob ich mich damit wohl fühle. Also nicht wegen mir selbst, sondern eher wegen der Außenwelt. Ich mein, ich fühle mich extrem wohl, wenn ich so Sachen an habe, aber raus trauen – niemals. Vielleicht jetzt zum WGT. Ich bin da extrem ängstlich.

Hauptsächlich bin ich ängstlich, weil ich mich fett fühle. Dafür machen wir aber gerade Diät, die mich aber auch fertig macht. Wahrscheinlich, weil wir einen kompletten kalten Entzug gemacht haben. Das war wohl doof. Das hat auch meine Therapeutin gesagt. Man sollte sich immer so Kleinigkeiten für die Seele aufheben.

Naja, und dann halt mein Gesicht. Das ist nunmal dummerweise recht männlich. Aber durch Make-Up kann man da viel machen. Nur muss ich irgendwann mal anfangen das alles zu lernen. Das ist ja alles eine Kunst für sich. Aber dann fühle ich mich wieder total unbeholfen und dämlich.

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