Umarme mich und lass mich nie wieder los …

Tiggerwarnung: Depressionen, Angst, Minderwertigkeitskomplexe

Ich glaube, ich habe den Grund für meine aktuelle depressive Episode herausgefunden. Gerade läuft es in meinem Leben einfach super. Meine Ehe ist stabil und wir verstehen uns sehr gut – wir unternehmen viel miteinander, erleben viel, reden viel miteinander. Auf der Arbeit könnte es auch nicht besser laufen. Ich bin sehr gut ins Team integriert und meine Expertise wird auch wirklich genutzt. Und gerade baut sich eine Freundschaft auf, die mir so gut tut. So richtig gut. Ich werde nicht nur akzeptiert, so wie ich bin, sondern auch noch gemocht. Und das bilde ich mir nicht nur ein, sondern das ist auch wirklich so. Und ich werde mir zusätzlich so nach und nach auch mit der Geschlechterfrage klar.

Und wahrscheinlich ist genau das mein Problem. Zum einen habe ich die automatischen Gedanken, dass ich das alles gar nicht verdiene. Warum sollte man mich nach meiner Meinung fragen? Warum sollte mich jemand mögen? Warum sollte jemand mit mir Zeit verbringen wollen? Warum sollte ich es verdienen, dass mir so viele tolle Dinge passieren? Der klassische Minderwertigkeitskomplex.

Das andere ist, dass ich tierische Angst habe das alles wieder zu verlieren. Ständig denke ich drüber nach, was ich falsch machen könnte oder etwas falsches sage. Dieses Overthinking geht soweit, dass ich wieder beschissen schlafe. So richtig beschissen. Außerdem traue ich mich nicht mehr so richtig die Dinge zu tun, auf die ich Lust habe.

Ich bin süchtig nach dem High der Akzeptanz und des Gemochtwerdens. Diese Sehnsucht nach der Umarmung, die nie aufhört, macht mich wahnsinnig, egal, ob physisch oder in asynchroner Kommunikation. Die letzten paar Tage haben so viele Gefühle in mir wach gerüttelt, die ich gar nicht wirklich verarbeiten kann, weil ich ebendiese seit Jahren nicht mehr wirklich hatte. (Selbst bei den Zeilen habe ich Angst, dass es Unfair gegenüber meine Frau klingt. Aber das ist Quatsch, weil ich denke, dass das was anderes ist. Ich kann es aber nicht erklären -.-#)

Ich hasse es. Ich will das nicht. Ich will nicht drüber nachdenken, ob Aktion A oder Satz B irgendwie bescheuert sind. Ich will nicht ständig diese Sucht der Bestätigung haben – egal von welcher Seite. Ich hab die Bestätigung. Nur will mein Kopf das irgendwie nicht war haben.

Meine Therapie hat mir kognitives Training beigebracht. Ich muss die automatischen Gedanken bekämpfen und mit etwas Positiven füllen. Vielleicht sollte ich mir einfach täglich sagen „Du bist es wert! Sie lieben dich! Sie brauchen dich! Du bist ein toller Mensch!„.

Vielleicht muss ich mich selbst umarmen und dabei nie wieder loslassen.

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Über Suizid

Triggerwarnung: Suizid, Depressionen, Nervenzusammenbruch

Letztens hatte ich ein sehr intensives Gespräch über den Selbstmord an sich und das Verständis dahinter. Auslöser war, dass in der Kneipe, in der wir waren, ein paar Tracks von Linkin Park liefen. Der Suizid von Chester hatte meine Begleitung ebenso getroffen wie mich und die Songs erinnerten uns wieder daran.

Sich für den Freitod zu entscheiden ist weder leicht, noch denke ich, dass er feige ist. Es ist der letzte und leider auch endgültige Versuch frei zu sein, wenn zuvor alle Versuche etwas zu verbessern fehlgeschlagen sind und einfach alles zu viel geworden ist. Wer noch nie Depressionen hatte, wird es meiner Meinung nach schwer haben das irgendwie nachzuvollziehen.

Auch ich war suizidal. Das ist zum Glück schon eine Weile her und dank meiner Therapie konnte ich sehr viele Dinge verarbeiten und letztendlich bin ich froh darüber, dass ich diesen Schritt nie gegangen bin. Gänzlich weg sind die Gedanken an einen Freitod jedoch nie wirklich und vor allem in depressiven Episoden kommen solche Gefühle latent zum Vorschein.

Warum das so ist, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Bei mir war es so, dass die ständigen Probleme mit mir selbst mich in den Wahnsinn getrieben haben. Ständig hatte (und habe) ich Angst. Immer wieder überprüft die Stimme im Kopf, ob das alles valide ist, ob ich valide bin. Das ist anstrengend und vor allem in den Peaks eines Nervenkollers kaum auszuhalten, soweit, dass es richtig weh tut.

Diese Schmerzen und Gedanken hören nie wirklich auf. Ich habe gelernt irgendwie damit umzugehen und zu verarbeiten. Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich das zum Glück schaffe. Manchmal bin ich aber zu schwach dafür und breche zusammen.

Gestern hatte ich einen mittleren Nervenzusammenbruch, weil mich gerade sehr viel beschäftigt (dazu später vielleicht mehr). Auch da hatte ich die Gedanken „Ich will, dass es aufhört. Ich will keine Angst mehr haben. Ich will das nicht mehr.“ Das war alles, was ich wollte und auch will. Bei Menschen, die nicht das Glück haben, damit halbwegs klar zu kommen, nagt das natürlich. Man kann sich das vielleicht wie einen Fels im Meer vorstellen. Immer wieder wird der Fels umspült, es brechen kleinere Teile der Basis ab. Immer und immer wieder. Irgendwann bricht der Fels von der Basis und stürzt ins Meer.

Dieser Prozess dauert lang. Bei den einen länger, bei anderen kürzer. Irgendwann steht der Entschluss fest, dass man sich umbringen möchte – selten von heute auf morgen. Und der eigentliche Entschluss dazu tut weh. Aber in dem Moment willst du einfach nur, dass alle negativen Gedanken und die Schmerzen aufhören, damit du dich nicht mehr quälen musst. Du willst frei von all dem sein.

Es mag sein, dass es egoistisch klingen mag – vor allem, wenn du wie in Chesters Fall eine große Familie hast und viele Fans, die auf dich aufbauen. Jedoch muss man auch die Seite sehen, wie viel Schmerz dieser Mensch ausgehalten hat, um bis zu diesem Punkt zu kommen. Ich mag es mir nicht vorstellen können, kann es aber nachvollziehen.

(Macht euch keine Sorgen, ich bin nicht suizidal und habe auch nicht vor mir das Leben zu nehmen. Das hier sind nur meine Gedanken darüber.)

Was ein krasses Jahr

Nun, eigentlich ist es viel zu lange her, dass ich gebloggt habe – das ist zumindest für mich okay, weil ich mir wegen dem Blog keinen Druck mehr machen wollte. Das hat funktioniert. Ich habe nur dann etwas geschrieben, wenn ich wirklich was schreiben wollte. Und das war genau richtig, um mich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren: Meine psychische Gesundheit.

Die neue Arbeit

2017 war für mich ein Jahr mit sehr vielen Veränderungen. Ich habe seit Januar einen neuen Job als Programmierer/in in einem Verlagshaus gefunden, bei dem ich mit einem Team in Köln (und Hamburg) zusammenarbeite, welches großartig ist, zusammen hält und so offen ist, dass ich mich echt wohl fühle. Da laufen Leute mit T-Shirts rum, auf denen sowas wie „Gib Nazis Keine Chance“ oder „Homophobie? Nein Danke!“ steht. Die Kolleg*Innen sind sowieso durch die Bank genial (vor allem du, Anne <3).

Diese neue Arbeit war und ist einer der Grundpfeiler für meine psychische Gesundheit. Dabei habe ich mir ein paar neue Regeln für das Arbeiten gegeben, damit ich nie wieder in Burnout-Situationen komme – oder schlimmer. Zum Beispiel mache ich keine Überstunden mehr, oder ich lasse mich nicht all zu sehr stressen, wenn ich etwas nicht in der Zeit schaffe. „It’s done when it’s done.“ Das Kredo hat mir auf jeden Fall geholfen.

Es ist für mich echt krass, wie viel das für mich ausmacht. Klar, die leider zu Ende gegangene Therapie hat auch sehr viel damit zu tun (DANKE!), dass es mir besser geht. Dort konnte ich viele Techniken lernen, die mir helfen, das Ganze neu zu strukturieren. Ich habe so viel über mich gelernt, vor allem, was ich eigentlich alles kann.

Teilnahme am Leben

Und zwar kann ich Musik machen. Und das gar nicht mal so scheiße. Zum einen habe ich angefangen, mich mehr mit elektronischer Musik zu beschäftigen. Über mein alter Ego „E. Quellmalz“ kann man meinen Techno hören. Allein dadurch habe ich viele Dinge über Musik und Synthies gelernt, sodass ich so langsam anfange zu verstehen, wie analoge Synthies funktionieren. Irres Zeug.

Ansonsten habe ich endlich eine Band gefunden. Zusammen mit meinem großartigen Arbeitskollegen Dirk (<3) an der Klampfe und Philipp (<3) an den Drums machen wir unter dem Label „A Bunch Of Post Apocalyptic Space Turtles Are Going To An Imaginary Picnic Into A Rainbow Cave To Do Drugs And Talk About Death And Stuff“ machen wir Alternative Rock mit mir am Bass. Und ich muss sagen: Ich liebe dieses Instrument!

Nicht nur, dass mir diese Band wieder extrem viel Freude an Musik gebracht hat, ich habe dadurch neue Freunde gefunden. Freunde! Vor allem durch Dirk habe ich das Vertrauen wieder gefunden, dass es Menschen gibt, die mit mir befreundet sein wollen. Das klingt für Außenstehende zwar normal, aber für mich als depressiven Menschen mit diversen Ängsten und Minderwertigkeitskomplexen ist das ein riesiger Schritt.

Zum Beispiel habe ich durch Dirk ein neues Hobby entdeckt: Kickern. Durch das Kickern kam ich in Kneipen und mit anderen Leuten in Kontakt. Und damit habe ich auch Menschen gefunden, die ich auch nicht mehr missen möchte (Jelle <3).

Laura? Laura!

Seit meinem Outing als genderfluid bei der Arbeit ist auch ein bisschen Zeit vergangen, bis ich mich das erste Mal wirklich getraut habe, als Laura ins Büro zu gehen. Es war ein irrer Befreiungsschlag. Ich habe mich selten so akzeptiert und wohl in meiner Haut gefühlt.

Und gestern (war der 29. Dezember) war ich das erste Mal außerhalb meiner Bubble als Laura unterwegs. Ich war shoppen und Scheiße, war das toll, all die Klamotten anprobieren zu können, die ich will. Klar hätte ich das auch vorher schon tun können, aber es hat sich nicht richtig angefühlt. Jetzt tut es das. Und es war so unglaublich toll. Ich hab das zwar nicht allein gemacht, aber hey, das ist ein mega Schritt für mich gewesen.

Nach dem Shoppen sind wir dann noch kickern gegangen – zwar an einem relativ gesicherten Ort (Limes, eine Punker-Kneipe in Köln), dennoch gab es so ein paar Sorgen. Aber es ging gut. Selbst die Kickertruppe hat mich sofort akzeptiert. Richtig toll war, dass wir uns über alltägliche Sachen unterhalten haben und ich nicht irgendwelche Fragen über Transgender oder Non-Binary-Krams beantworten musste. Small- und Nerd-Talk!

Aber eines der tollsten Gefühle in solchen Situationen ist „Laura“ gerufen zu werden. Oder als „Das ist meine Freundin Laura“ vorgestellt zu werden … #gaynessintensifies

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Bild von FYR

Aber eins ist klar: Ohne die krasse Unterstützung von Astrid hätte ich das alles nicht geschafft (und wohl auch nicht gemacht). Danke. So viel Danke.

Und das Negative?

Tja, klar bleibt das nicht aus. Aber entweder ist das, was nicht so gut lief, zu privat, oder ich motze auf Twitter genug darüber. Deshalb möchte ich hier gar nicht so sehr drauf eingehen. Kurz: Wir haben noch viel zu tun bzgl. Antifa- und LGTBIQA+Themen. Sehr viel.

Und 2018?

Ja, mal guggn, wa? Ich habe mir ein paar Dinge vorgenommen die keine riesigen Ziele sind. 2017 wollte ich mich finden. Da bin ich auf einem guten Weg und den Weg will ich 2018 weiter gehen. Zum Beispiel fange ich die Psychotherapie an, um endgültig festzustellen, ob ich transgender bin oder nicht (ich persönlich brauche ein Label). Auf jeden Fall werde ich unabhängig davon eine Laserepilation vornehmen lassen, damit dieser beschissene Bartschatten weggeht.

Ansonsten? Ich will auf Arbeit so weiter machen wie bisher – das Team stärken und uns so innerhalb vom Verlag positionieren, dass wir wirklich Dinge bewegen können und nicht nur Feuer löschen. Abgesehen davon will ich mich auf die Musik mit den Space Turtles konzentrieren. Wenn wir da bald einen Gesang bekommen, haben wir auf jeden Fall ein paar Gigs im neuen Jahr sicher. Auf die Bühne freue ich mich sehr.

Und ich will mehr mit meinen neuen Freunden unternehmen und die gute Zeit genießen.

(Und vielleicht nehme ich noch weiter ab … haha)

Thomas? Laura? Llama?

Okay. Ich bin noch lange nicht am Ende meiner geschlechtlichen Selbstidentifikation. Immerhin weiß ich schonmal, dass ich nicht Cis-Gender bin. Blöderweise weiß ich nun aber auch nicht, ob ich Transgender bin. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich, dass ich offenbar sowohl männlich, als auch weiblich bin.

Jedoch verschwimmt das immer wieder, weil dieses Gefühl „Heute bin ich männlich,“ oder „Heute bin ich weiblich“ relativ selten klar ist – vor allem nicht persistent. Die meiste Zeit über fühle ich aber ohne wirkliche Geschlechtszugehörigkeit – wobei mir da aber mein Basis-Geschlecht (männlich) tierisch auf den Sack geht.

Thomas. Das bin ich – mein männliches ich.

Laura. Das bin ich auch – mein weibliches ich.

Llama. Das bin ich überhaupt – meine eigentliche geschlechtslose Selbstidentifikation.

Wir alle mögen die gleichen Dinge, lieben die gleichen Menschen und sind im Grunde gleich – nur, dass wir unterschiedliche Geschlechter haben – wobei meistens letzteres überwiegt. Vielleicht bin ich also Demi-Gender-Fluid, oder wie man auch immer das nennen kann.

Zurück zum Basisgeschlecht: Das Problem ist, dass ich mich mit meinen angeborenen männlichen Geschlechtsorganen nicht wohl fühle. Wahrscheinlich ist auch, dass ich vielleicht gar keine weiblichen Geschlechtsorgane (die untenrum, Brüste wären schon cool) haben möchte – bzw. wäre es Spekulation, ob ich mich damit dann wohler fühlen würde. Immerhin ist das gefühlte Geschlecht unabhängig dem Krams, was zwischen den Beinen ist.

Tja. Was ich mit den Gedanken anfangen soll, weiß ich selbst noch nicht. Was mich daran fertig macht ist eher, dass ich mir selbst auferlege, dass ich mich festlegen muss. Was bescheuert ist. Es gibt ja genügend Beispiele für Genderfluidität oder Agender-Menschen. Vielleicht ist dieser innere Druck auch der gesellschaftliche Zwang alles irgendwie in Schubladen zu pressen – selbst in der LGBT-Community gibt es gegenüber genderqueeren Menschen vorbehalte.

Das macht alles noch ein bisschen komplizierter. Für mich selbst ist es einfach schwierig zu sagen, ob ich jetzt α oder ω bin. Wahrscheinlich ist, ich bin beides gleichzeitig und dann wieder doch nicht.

Euch mag das verwirren, aber fragt mich mal ;)

Von Killerspielen und Amokläufern

Seit dem … Verbrechen (ich weiß nicht, ob es ein Amoklauf oder Naziterror ist, ist aber auch nicht das Thema) in München ist die Killerspieldebatte mal wieder hochgekocht. Politiker*Innen meinen, dass die Schuld des Amoklaufes bei Egoshootern zu suchen ist, während die Gamergemeinde meint, dass das Blödsinn ist. Beides ist falsch.

Seit mehr als zehn Jahren hat sich in der Diskussion nichts bewegt. Nicht, weil die Politik das nicht wollte, sondern weil wir Spieler*Innen in den letzten Jahren versagt haben eine Lobby zu gründen, welche sich genau mit den Themen rund um das Gaming beschäftigt. Es müssen Fragen gestellt und beantwortet werden, zum Beispiel, wie das mit den Verträgen von professionellen eSport-Athlet*Innen aussieht, wie wir einen sinnvollen Jugendschutz etablieren können, wie wir Eigenkompetenzen beibringen, um Spiele verstehen zu können und eben auch, welche psychischen Auswirkungen das Spielen auf Menschen hat.

Dabei ist die Diskussion stecken geblieben, weil ständig das Argument gebracht wird, dass es ja auch exzessive Gewaltdarstellungen im Fernsehen gibt – seien es einfache Nachrichten oder Horror-Splatter-Filme, wie SAW. Das ist zwar richtig, aber die eigentliche Fragestellung muss anders lauten: In wie weit beeinflussen Gewaltdarstellungen in Zeiten des Instant-Medienkonsumes die Psyche jugendlicher und erwachsener Menschen?

Ich selbst kann diese Frage nicht beantworten, weil ich mir nicht anmaße die menschliche Psyche zu verstehen. Es ist schon schwierig genug die Auswirkungen auf sich selbst zu beobachten, zu analysieren und einzuordnen. Für mich ist letztendlich klar: Ja, Computerspiele haben einen Einfluss auf unsere Psyche – egal ob positiv oder negativ. Sie sind definitiv da. Profis müssen das untersuchen. Und wir Spieler*Innen brauchen eine Lobby, damit Politiker*Innen die Chance haben verstehen zu können, um was es eigentlich geht.

Immerhin gründet sich gerade langsam aber sicher eine eSport-Lobby in Deutschland, Europa und der Welt. Wir haben aber noch einen weiten Weg vor uns.

Gläubige Menschen sollten Wissenschaftler sein

Ich find es ja ziemlich dämlich, dass ein Großteil der gläubigen Gemeinschaft die Wissenschaft nicht nur ignoriert, sondern teilweise auch massiv bekämpft und boykottiert. Dabei müssten doch gerade gläubige Menschen die Wissenschaft unterstützen.

Ich mein, nehmen wir mal an, das, was wir sehen wäre wirklich Gottes (o.ä.) Schöpfung, dann müssen wir einige Fakten akzeptieren. Das Universum (das wir aktuell kennen) ist mehr als 13,7 Mrd. Jahre alt. Das können wir mittlerweile recht schlüssig beweisen. Die Evolution ist keine Theorie, sie ist Tatsache. Unglaublich coole Dinge passieren da draussen.

Okay, nehmen wir an, dass das Gottes Werk ist. Dann sag ich: WOW! Das ist echt cool! Ich möchte mehr davon wissen! Ich möchte mehr davon wissen, verstehen, wie Gott wirkt, damit ich rausfinden kann, was wir besser machen können.

Außerdem … wäre ich Gott, wäre ich wirklich angepisst, wenn meinem Werk keine Beachtung geschenkt wird. Vor allem, wenn es so genial wie das Universum ist.

Sozialismus – Einleitung

Ich bezeichne mich selbst als Sozialisten ohne dabei aber zu erklären, was ich eigentlich meine. Zum Sozialismus gibt es über 150 Definitionen. Auch für mich ist nicht zu 100% klar, wie genau  Sozialismus definiert ist. Aber genau darin liegt die eigentliche Stärke des Begriffes. Dieser Artikel soll meine Gedanken zum Sozialismus erklären.

Was ist eigentlich Sozialismus?

Der Sozialismus ist grundsätzlich eine Gesellschaftsform, aufgebaut auf den Werten gemeinnützig, hilfsbereit und barmherzig. Er ist kein politisches Konstrukt und kann daher in jeder möglichen Staatsform existieren – auch in einer Demokratie.

Hinweis: Die DDR war kein sozialistischer Staat. Machteliten steuerten das Kapital und bereicherten sich selbst. Im Grunde war es ein perfider Kapitalismus für wenige ausgewählte Eliten – aber kein Sozialismus.

Einer der Grundwerte für den Sozialismus ist folgender: Eigentum verpflichtet. Die Menschen, die viel haben sollen viel geben, um denen zu helfen die nicht privilegiert sind. Das heisst aber nicht, dass Individualität oder das Eigentum an sich abgeschafft werden soll. Es heisst, dass Verantwortung übernommen wird und das gegeben wird, was gegeben werden kann. Es ist vollkommen okay neuste Technik zu besitzen, es ist auch völlig okay ein Auto zu besitzen oder in einer Wohnung zu wohnen, in welcher man sich wohl fühlt.

Wozu brauche ich 40.000 € im Monat? Wozu brauch ich drei Porsche in meiner Garage? Warum muss ich in einem 600qm Haus zu zweit leben? Wieso brauch ich diese Anlage für den privaten Gebrauch, die 20.000 Euro kostet? Damit Sozialismus funktioniert muss diese Denke aufgebrochen werden: Wir müssen genügsamer werden und nicht immer maßlos übertreiben. Klar wäre es total cool so einen Fuhrpark zu besitzen, aber seien wir ehrlich: Benötigen wir wirklich materielle Dinge, um glücklich zu sein?

Wir sind glücklich, wenn wir mit unseren Lebensumständen zufrieden sind. Diese Umstände können einfach in zwei Bereiche aufgeteilt werden:

  • Privat: Alle Dinge, die mich persönlich betreffen. (Arbeit, Individualität, Familie, materielle Werte, …)
  • Gesellschaftlich: Alle Dinge, die mein Umfeld beeinflussen (Arbeitnehmerrechte, Mindestlohn Nahverkehr, Asylrecht, …)

Dabei hängen große Teile der privaten Zufriedenheit mit der gesellschaftlichen Zufriedenheit zusammen. Gibt es Repressionen im eigenen Umfeld schlägt sich das auf unser Gemüt nieder. Sehen wir Leid und Armut in unserem Umfeld, dann wollen wir dieses Leid beenden und helfen – zumindest denken die meisten Menschen so (hoffentlich).

Eine Gesellschaftsform im Sozialismus hat genau diese Aufgabe: Leid und Armut bekämpfen, Schwache aufnehmen und versorgen, Ungerechtigkeiten auflösen und ein Vorbild für andere Menschen sein. Setzen wir dieses Kredo als individuelle Gedanken und persönlichen Wunsch voraus.

Die Frage ist: Wie sieht das ganze dann eigentlich aus? Es gibt sehr viele Themenbereiche, welche politisch so beeinflusst werden können, dass sie den sozialistischen Werten entsprechen (willkürliche Reihenfolge, alle Themen sind gleich wichtig):

  • Arbeits- und Sozialpolitik
  • Asylrecht
  • Feminismus und Gleichberechtigung
  • Familienrecht
  • Gesundheitspolitik
  • Steuerrecht
  • Finanzregulierung
  • Ökologie und Energie
  • Öffentlicher Personenverkehr

Grundlage für diese zukünftigen Betrachtungen ist das Stichwort Gerechtigkeit – nicht Gleichberechtigung, sondern Gerechtigkeit. Folgende Grafik veranschaulicht den Gedanken perfekt:

Wenn ihr schon beleidigt, dann bitte richtig.

Beleidigungen finde ich grundsätzlich okay. Was mir ja tierisch auf den Sack geht sind Beleidigungen, die einfach scheiße sind. In irgendwelchen Kommentarspalten liest man immer wieder „Du Opfer!“, „Du bist so behindert!“ oder auch „Du Homo!“. Das geht gar nicht. Zum einen wäre es wesentlich sinnvoller das Benehmen von jemanden zu bewerten:

  • Deine Verhaltensweise ist widerlich.
  • Was du sagst, erinnert mich an Diarrhoe.
  • Deine Bild widert mich an.

Sowas finde ich vollkommen okay. Und wenn ihr schon irgendwie Beleidigen wollt, dann nehmt doch Begriffe, die nicht irgendeine Minderheit oder Ethnie zu Grunde liegen:

  • Flitzpiepe
  • Lump
  • Halunke
  • Gauner
  • Spitzbube
  • Betrüger (nur bei nachgewiesenem betrügerischen Verhalten)
  • Lausbube
  • Missetäter

Wenn ihr mehr habt, rinn in die Kommentare.

Stimmpate

Ich habe blöderweise immer viel zu viele Ideen und viel zu wenig Zeit diese in irgendeiner sinnvollen Art umzusetzen. Die folgende Idee gehört dazu. Ich poste sie hier, in der Hoffnung, dass sie irgendwer aufgreift und umsetzt. Trotz bester Vorraussetzungen habe ich leider weder die Zeit, noch das Durchhaltevermögen.

Das gemeinnützige Projekt nennt sich in meinem Kopf Stimmpate. Das Prinzip ist eigentlich einfach. Auf einer Online-Plattform suchen Leute, die in Deutschland wohnen und wegen der repressiven Wahlrechtspolitik nicht wählen dürfen eine Nichtwählerin, die für sie wählt. Es gibt viele valide Gründe für eine Nichtteilnahme an einer Wahl – viele von uns können sich aber dafür entscheiden. Andere dürfen nicht und das finde ich extrem unfair.

Wie läuft das also ab? Nichtwählerinnen melden sich an, dass sie ihre Stimme an Nichtwahldürferinnen verschenken wollen. Dabei können die Nichtwählerinnen aber Parteien ausschließen (ich würde zum Beispiel nie mein Kreuz bei Nazis, wie der NPD oder AfD machen), denn wir Nichtwählerinnen sind keineswegs apolitisch. Viele von uns können nur mit den aktuellen Parteien nichts anfangen. Dabei wissen wir aber genau, was wir nicht wollen (Nazis zum Beispiel).

Das Ganze basiert natürlich auf Freiwilligkeit und irgendwie muss man da auch Hinweise bringen, dass es trotzdem eine freie Wahl ist und niemanden zwingen kann, irgendwas zu wählen. Genau so wird ja dadurch auch teilweise das Wahlgeheimnis aufgehoben, wo es aber sicherlich Möglichkeiten gibt, das ganze halbwegs gut abzusichern. Wichtig ist, es muss easy sein – Bumm, Zack, Return. Keine Token-Verschlüsselungs-Nerd-Pride-Krams, sondern so einfach, dass alle das System verstehen.

Theoretisch müsste ’nur‘ eine Webseite aufgesetzt werden, ein Trägerverein gefunden werden, der die Finanzen übernimmt und Helferinnen, die das Marketing für das Projekt betreiben. Wenn sich da ein Team findet, kann ich auch gerne Input geben. Ich bin aber leider zu sehr mit einem anderen Projekt beschäftigt, dass ich das unmöglich schaffen könnte. Und sogar das macht mir ein schlechtes Gewissen …

Zurück zur Anonymität

Ein Gastbeitrag vom Llama.

Ich liebe Leipzig wirklich sehr. Die Stadt ist einfach perfekt. Auf der einen Seite gibt es genial abgefuckte Industrieanlagen, auf der anderen Seite schöne und modernisierte Häuser der Gründerzeit. Das ganze Ambiente und Flair macht einfach Spass. Die Leute allgemein machen das alles hier (vor allem aber unsere Ecke Lindenau-Plagwitz) sehr lebendig. Trotzdem bin ich ein Stück weit froh, dass ich hier weg ziehen kann – in eine neue Stadt.

Ich merke, dass ich immer soziophober werde. Ständig habe ich Angst, dass ich Leuten über den Weg laufe, die ich kenne, aber nicht kennen will. Ich möchte nicht freundlich grüßen oder irgendwelche awkward Small-Talk-Momente durchlebe und die ganze Zeit eine Ausrede suche, damit ich weiter gehen kann. Das heisst nicht, dass ich alle Menschen nicht mag, die ich kennengelernt habe, ich will nur selbst gern entscheiden, wann ich wen sehen will. Und wenn ich nicht in der Stimmung bin, will ich halt niemanden sehen.

Es gibt natürlich Ausnahmen – Freunde, die ich hier zurücklasse und sehr vermissen werde. Das sind aber wirklich nur eine Handvoll Menschen, bei denen ich mich auch über eine zufällige Begegnung freue.

Ständig hat man irgendwo in bestimmten Teilen der Stadt Angst, dass man Leuten begegnet, die man aber nunmal nicht sehen will. Ich fange an gewisse Plätze zu meiden, fühle mich unsicher, habe Angst. Das ist scheiße. Deswegen bin ich auch froh darüber, nach Düsseldorf ziehen zu können. Dort bin ich erstmal anonym. Dort kann ich mich frei bewegen, ohne Leute zu sehen, die ich nicht sehen will.