Das blonde Mädchen

Wir spielten gerade Fußball. Es war heiß und die Sonne knallte nur so auf uns ein, als ob sie das letzte Mal scheinen würde und dann für immer die Erde in Dunkelheit hüllen wollte. Ich war total fertig, brauchte eine kurze Pause. Meine Hände waren auf die Knie gestützt. Während ich auf die Erde sah, tropfte mir der Schweiß von der Nase. Mein Kopf hob sich wieder. Ich schaute mich um, zu den Hügel auf der rechten Seite und dann zu dem auf der Linken. Ich erstarrte, konnte nicht glauben, was ich sah. Da stand ein Mädchen, so schön, wie die Tochter Jhoulana, die Göttin der Liebe.

Ich konnte meinen Blick nicht von ihr lösen. Meine Augen weigerten sich von ihr zu trennen, obwohl mein Verstand mit immerzu sagte, dass ich weiter spielen sollte. Sie schaute in meine Richtung. Wie sehr wünschte ich mir, dass sie zu mir schaute. Die Zeit schien stehen zu bleiben. Nichts bewegte sich um mich rum. Ich war in einer anderen Welt, träumte davon mit ihr, mit dem blonden Mädchen alt zu werden.

Sie bewegte ihre Lippen. Es schien, als rufe sie meinen Namen. Die Rufe wurden deutlicher, doch der Ton wurde immer härter. Ich wurde raus gerissen, musste mich trennen von meinem Traum. Es rief mich mein Trainer. Ich schaute zu ihm. Er hatte ein Miene, die nur Trainer haben können. Das ganze Spiel über dachte ich an sie.

Wie sehr wünschte ich mir es, dass ich sie ansprechen könnte, dass ich aus dem Spiel rennen könnte, zu ihr, sie fragen, ob sie mit mir etwas trinken gehen möchte. Ich tat es nicht, ohne zu wissen warum. Am nächsten Tag las ich eine Schlagzeile in der Tageszeitung. Entführt – Vergewaltigt – Erdrosselt lautete sie. Dazu war ein Bild von dem blonden Mädchen.

–Llama (irgendwann in den 0er-Jahren)

Sternengeschichte

Als ich eines Nachts hinaustrat und zum Himmel schaute sah ich Sterne. Das ist nichts ungewöhnliches, denn ich gehe sehr gerne raus und beobachte die Sterne. Doch dieses mal war es anders. Es stand kein Mond am Himmel und das Dorf war lag relativ dunkel im Tal. Da es auch noch ein klarer Winter ohne Schnee war, waren die Bedingungen für eine ausgedehnte Sternenkunde nahezu perfekt für unseren Breitengrad.

Dort die Leier mit Wega – nur 25 Lichtjahre entfernt. Die dürften dort mittlerweile den Fall der Mauer sehen und vielleicht denken die, dass es mit der Menschheit bergauf geht. Okay, oder sie schauen dann GZSZ und denken das Gegenteil. Wer weiß das schon. Da drüben steht Orion am Himmel mit dem riesigen Stern Beteigeuze. Der Stern ist mehr als 600 mal so groß wie unsere Sonne. Er wird wohl schnell sterben, wie es alle roten Superriesen tun. Unsere Sonne wird aber noch überdauern. Und da ist Camelopardalis in der Giraffe – ein Doppelsternsystem welches bald in einem einzigen Stern aufgehen wird.

Es ist wunderschön und so brutal. Ich bin froh auf der Erde zu sein, hier bei unserer ruhigen Sonne. Hinter dem Schutzschild des Mondes und unserer Atmosphäre sind wir vor den größten Gefahren geschützt. Das wird nicht immer so sein, denn unsere Sonne wird in ca. 4,5 Milliarden Jahren explodieren. Eine Supernova. Die gewaltigste und zugleich schönste Explosion in unserem Universum.

Und ich stehe hier auf der Erde, beobachte all die Dinge und wünsche mir, trotz der Sicherheit hier auf der Erde, dass ich die Sterne besuchen kann, dass ich sie durch ein Bullauge meines Raumschiffes sehen kann, dass ich mit ihnen fliegen kann, sie berühren kann.

In dieser Nacht wurde mir bewusst, dass ich das gar nicht muss. Alle Lichtquellen senden Photonen aus, die sich durch den Raum bewegen – mit Lichtgeschwindigkeit. Es ist ja auch Licht. Und diese Photonen durchdringen meine Linse und brennen ein Bild in meine Netzhaut. Und dieses Bild sehe ich. Der Stern berührt mich.

Ich berühre den Stern.

— frei nach Carl Sagan